Wie können die Anforderungen an Rettungswegtüren mit optisch ansprechenden Türen kombiniert werden?

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Für das Architekturbüro KSP haben Westag & Getalit und ASSA ABLOY eine kleine Funktionstür entwickelt, um das Thema Rettungswegtechnik "fassbar" zu machen. Bei der Übergabe des Musters haben sich darüber und über weitere Themen im Bereich von Normen und Kennzeichnungen Marcus Ritter (Architekt, Detailkoordination / Detailentwicklung KSP Jürgen Engel Architekten GmbH), Jochen Hettmann (Architekt, Türenspezialist KSP Jürgen Engel Architekten GmbH), Natascha Beil (Außendienst Westag & Getalit AG), Ludger Thiele (Produktmanager Westag & Getalit AG) und Heiko Steinhauer (Objektberater ASSA ABLOY Sicherheitstechnik GmbH) unterhalten.

Beim Thema Fluchtwegsicherung dreht sich vieles um die neue Norm EN 13637, die aktuell in der Harmonisierung ist.

Heiko Steinhauer (ASSA ABLOY): Die EU-Norm DIN EN 13637 wird in Zukunft an Türen in Rettungswegen eine zeitliche Verzögerung der Freigabe zulassen. ASSA ABLOY Sicherheitstechnik hat für diese Anwendungsbereiche neue busfähige und optisch ansprechende Fluchttürterminals entwickelt, die als Display-Terminal neben der Tür und als in der Druckstange integriertes Display-Terminal zukünftig diese Aufgaben übernehmen. Aktuell bedarf es für die Funktion der Zeitverzögerung der Genehmigung durch die zuständige Bauaufsichtsbehörde.

Wie funktioniert eine elektrische Rettungswegabsicherung?

Heiko Steinhauer (ASSA ABLOY): Voraussetzung für Türen in Rettungswegen ist als erstes das Panikschloss. Um eine missbräuchliche Nutzung dieser Tür zu verhindern, hält als Verriegelungselement ein elektrischer Fluchttüröffner die Tür so lange zu, bis über die rote Nottaste am Rettungswegterminal die Freigabe samt Alarm ausgelöst wird, über Schlüssel oder Zutrittskontrolle berechtigt eine Kurzzeitfreigabe erwirkt wird oder bei Stromausfall der Fluchtweg uneingeschränkt genutzt werden kann. Von außen wird die Tür entgegen der Fluchtrichtung ebenfalls per Schlüssel oder Zutrittskontrolle geöffnet.

Wie kann man das Zusammenspiel der Elemente anschaulich erklären?

Ludger Thiele (Westag & Getalit): ASSA ABLOY Sicherheitstechnik GmbH und Westag & Getalit AG haben für KSP Jürgen Engel Architekten GmbH eine kleine Mustertür entwickelt, die die elektrische Absicherung an einer Holztür für den hochwertigen Wohnbereich demonstriert.

Heiko Steinhauer (ASSA ABLOY): Der Einsatz elektrischer Verriegelungen und die daraus resultierenden Einschränkungen in der Begehung lassen sich am ehesten im Zusammenspiel von Fluchttürterminal und Fluchttüröffner demonstrieren, und erst recht anschaulich in einem ansprechenden Türmodell darstellen. Dieses Modell hat eine Größe von 70 x 50 cm und ist somit ideal, um die Funktionen zeigen zu können, und dabei noch handlich genug, um es zu Terminen flexibel mitzunehmen.   

Marcus Ritter (KSP Jürgen Engel Architekten): KSP Jürgen Engel Architekten entwickelt zudem ein eigenes Türenportal als Unterstützung für die tägliche Arbeit der Planer und Architekten an allen Standorten. Hierbei unterstützen ASSA ABLOY und Westag & Getalit durch ihr Wissen und ihr Know-how.

Wie ist die Mustertür optisch gestaltet?

Natascha Beil (Westag & Getalit): Das Modell eines hochwertigen Wohnraum-Türelementes in stumpf einschlagender Ausführung mit verdeckt liegenden Bändern hat den Reiz und die Eleganz einer Flächenbündigkeit zwischen Tür und Zarge. Mit häufig den Wänden entsprechenden schlichten Farben wie beispielsweise ein Weiß im Farbton ähnlich RAL 9016 ist es sehr zurückhaltend. Lediglich das Rahmenholz aus massiver Eiche kann einen kleinen Akzent passend zur sonstigen Raumgestaltung setzen. Verdeckte Bänder von Simonswerk ergänzen optisch und technisch perfekt das Prinzip des Minimalismus in Kombination mit präziser Technik.

Jochen Hettmann (KSP Jürgen Engel Architekten): Ein Highlight ist der Türdrücker von FSB, entworfen von Jürgen Engel, der sich an den Bedürfnissen des modernen Objektbaus orientiert. FSB und Jürgen Engel haben die Verkröpfung weitergedacht und durch minimale maßliche Veränderungen eine fast identische Geometrie von Tür- bzw. Rahmentürdrücker und Fenstergriff geschaffen. Unabhängig von der Türkonstruktion gibt es nur ein einziges Modell. 

Nun zu einem anderen Thema: Wie sieht es mit der CE-Kennzeichnung für Innentüren aus?

Marcus Ritter (KSP Jürgen Engel Architekten): Innentüren gehören zu den wenigen Produkten für die noch keine CE-Kennzeichnung vorliegt. Als Einführungstermin war der (nach mehreren Verschiebungen) November letzten Jahres geplant. Viele Fragezeichen der zeitlichen Umsetzung und den vielfältigen Aufgaben, die gerade zwischen Planer und Industrie auf alle Beteiligten zukommen, wurden betrachtet.

Ludger Thiele (Westag & Getalit): Je nach Sichtweise – leider oder glücklicherweise – ist nach vielen Diskussionen in verschiedenen Gremien das Thema wieder geschoben worden. Aktuell ist kein neuer Umsetzungstermin bekannt. Um für den sensiblen Bereich des Brandschutzes korrekt liefern zu können, wurden in die Zulassungen nach deutscher Norm zunächst verlängert. Ganz allgemein heißt es, dass die geplanten Standards als Orientierung z.B. bei Ausschreibungen dienen können.   

 

Und was gilt es bei der DIN 18040/Barrierefreiheit zu beachten?

Ludger Thiele (Westag & Getalit): Bei der Umsetzung der DIN 18040 zur Barrierefreiheit arbeiten Hersteller von Türen wie die Westag und Beschlagslieferanten wie ASSA ABLOY von der Entwicklung neuer Produkte bis zur Beratung bei konkreten Bauvorhaben Hand in Hand. Auch hier geht die Europäisierung voran: So liegt der europäische Norm-Entwurf zur Barrierefreiheit liegt vor: Die DIN EN 17210 beschreibt funktionale Mindestanforderungen und Empfehlungen.

Marcus Ritter (KSP Jürgen Engel Architekten): Da die UN-Behindertenrechtskonvention dem Thema Barrierefreiheit eine sehr große Bedeutung zumisst, werden die Anforderungen auch bei Türen immer höher. Vom privaten Bereich (z.B. über die stetig älter werdende Gesellschaft) bis hin zum öffentlichen Bereich, wo die Vorgaben zur Inklusion Kindergärten, Schulen und Altenheimen, aber auch in Büro- und Verwaltungsgebäuden betreffen. Das einfachste und sichtbarste Kriterium ist dabei die Größe der Türen, die einen minimalen lichten Durchgang von 950 mm erfüllen müssen.  

Jochen Hettmann (KSP Jürgen Engel Architekten): Gerade aus gestalterischer Hinsicht ist das Zwei-Sinne-Prinzip wichtig und auch interessant, da z.B. mit Fühlen und Sehen wichtige Kriterien in der Planung zu berücksichtigen sind, so bei der Funktion und Farbe von Drückern und Oberflächen. Neben der Barrierefreiheit taucht immer häufiger der Begriff barrierearm auf, der gesetzlich nicht geregelt ist, aber durchaus wichtige Empfehlungen gerade im privaten Bereich gibt. Das betrifft z.B. den Einsatz von Schiebetüren statt von Drehflügeltüren, da erstere erheblich leichter zu passieren sind.