Interview mit Susanne Petry zum Thema Nachhaltigkeit

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PIER F, im Jahr 2015 als praxisorientierte Bildungs- und Begegnungsstätte zu den Themen Nachhaltigkeit und Innovation gestartet, ist ein Projekt der renommierten Frankfurter Architekturplattform AiD – Architektur im Dialog.

Nachhaltigkeit ist ein Thema, das gerade im Bauwesen weiter an Bedeutung gewinnt. Wir haben uns darüber und wie Pier F an die Sache herangeht, mit Susanne Petry, Gründerin von Pier F, unterhalten.

Können Sie uns kurz erläutern, wofür PIER F-Zukunftshafen steht?

Der Name ist in erster Linie bildhaft gemeint: Ein PIER ist eine Anlegestelle, das F steht nicht nur für Frankfurt, sondern auch für Future, also für Zukunft. Und so versteht sich das PIER F als Anlegestelle für Zukunftsthemen, die ja in vielerlei Hinsicht Nachhaltigkeitsthemen sind.

(c) by PIER F/D. vom Berge

Wir selbst bündeln diese Themen, informieren über sie und tragen sie weiter: in Form von Seminaren, Workshops und Events, bei unseren renommierten Stadtführungen – den KLIMA- und Green-City-Tours –, mit einem eigenen Magazin, im Rahmen eines Showroom-Konzepts für nachhaltige Lösungen sowie unterstützt durch einen Verein, den Zukunftshafen Frankfurt e. V., den wir 2018 gegründet haben. Wir bringen Gleichgesinnte zusammen, arbeiten im Netzwerk. Daher können auch immer neue Akteure, die sich Zukunft und Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben haben, bei uns andocken, mit uns kooperieren.

Ganz wichtig: Wir sind keine Ideologen, wir wollen vor allem inspirieren – positive Impulse geben, Best-Practice-Beispiele zeigen. Es gibt aber tatsächlich auch einen realen Hintergrund für den Namen: Denn unser PIER F ist im Frankfurter Osthafen angesiedelt, auf einer Industriemole. Unser ganz persönlicher Zukunftshafen.

Was fasziniert Sie als Architektin und Expertin für Nachhaltigkeit an dem Thema Nachhaltigkeit besonders?

Den Nachhaltigkeitsgedanken habe ich von Kind auf vermittelt bekommen. Mein großes Vorbild war mein Vater, der sich schon früh ganz privat sozial und ökologisch, für Ressourcen- und für Energieeinsparung, engagiert hat. Zum Beispiel hat er bereits vor 35 Jahren bei uns zu Hause einen Dachgarten umgesetzt, den meine Mutter noch heute nutzt.

(c) by PIER F/Future Frankfurt

Später, als Architektin, habe ich das Thema Nachhaltigkeit erst recht als dringlich empfunden – auch wenn es zur Zeit meines Studiums und noch lange danach kaum einen Architekten oder Bauherren wirklich interessierte. Fakt ist aber: Städte und Gebäude waren und sind für einen großen Teil der CO2 Emissionen weltweit verantwortlich. Das heißt: Wenn man erneuerbare Energien verwendet, mit energieeffizienten, klimaneutralen Materialen baut und dabei auch Prinzipien wie „Cradle to Cradle“ berücksichtigt, dann kann man wirklich entscheidend zur Reduktion der CO2 Emissionen beitragen.

Dieser Gedanke treibt mich an. Ich habe ihn schon während meines Architekturstudiums durch die Organisation von Veranstaltungen zum nachhaltigen Bauen verfolgt, auch zur persönlichen Weiterbildung. Und schon seit zehn Jahren versuche ich, diesen Gedanken mit meiner Plattform AiD – Architektur im Dialog, seit fünf Jahren wiederum mit PIER F in die Baubranche, in die Politik, zu Investoren, in die Bürgerschaft, die Baukultur zu tragen. Nachhaltiges Bauen deckt gleich mehrere der von den UN definierten Sustainable Development Goals (SDG) ab. Von daher freue ich mich auch sehr über die Zusammenarbeit mit nachhaltig engagierten Herstellern wie ASSA ABLOY.

Wo sehen Sie Trends in Sachen Nachhaltigkeit, was wird sich in der Architektur in den nächsten Jahren verändern?

Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Zunächst müsste mal geklärt werden: Wie viel Platz braucht der Mensch? Wie lange bleiben Grund und Boden noch Spekulationsobjekte, die die Preise immer weiter in die Höhe treiben? Warum nicht erst mal nachverdichten, bevor man wieder Land verbaut?

(c) by Schoonschip Amsterdam/Isabell Nabuurs  

Was konkret das Bauen angeht: Das Bauen mit nachwachsenden, ressourcenschonenden Rohstoffen liegt schon länger im Trend, mit Holz zum Beispiel, mit Stroh oder Lehm. Wohngesunde, rückbaubare Gebäude werden verstärkt nachgefragt. Auf solche Trends reagieren auch immer mehr Hersteller von Bauprodukten, indem sie nicht nur einzelne klimaneutrale Produkte herstellen, sondern auch den kompletten Corporate Carbon Footprint ihres Unternehmens bilanzieren und verbessern. Zum Beispiel werden in vielen Firmen allein 80 Prozent der Emissionen innerhalb der Lieferkette verursacht.

Allgemein gilt: Sehr schnell müssen neue Konzepte für klimaangepasstes Planen und Bauen umgesetzt werden, denn die Auswirkungen durch den Klimawandel sind nun deutlich erkennbar. Das betrifft alle Disziplinen: Stadtplanung, Hochbau, Innenarchitektur und Landschaftsplanung. Auf alle Fälle werden Gebäude nun auch zu Kraftwerken, die mehr Energie erzeugen, als benötigt wird, und die zukünftig ihre überschüssige Energie ans Quartier abgeben.

Dazu wird es eine Transformation der Städte durch intelligente Systeme geben, das heißt, Städte werden smarter, digitaler. Stadtgrün ist bereits in aller Munde, aber noch nicht ganz angekommen, ebenso das Prinzip der „Schwammstadt“, die ihren Wasserverbrauch besser regelt, zum Beispiel mit Wasserrückhaltebecken für Regenwasser, oder einfach nur Flächen entsiegelt. Allmählich akzeptiert man, dass Wohnen und Arbeiten zusammengehören – das wird sich auch in der Architektur niederschlagen.

Zurück zum Thema Flächennutzung: Ob wir es schaffen, zukünftig weniger Flächen zu verbrauchen? Das kann ich mir im Moment leider nicht vorstellen. Effizientes Bauen im Bestand, Minimalismus und kluge Nachverdichtungen, auch ergänzt durch innovative Formen wie kleine Apartments, autarke Minihäuser und Hausboote, würden allerdings einen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten. 

Neben der Ökologie und dem technischen Wandel ist der soziale Wandel zentral. Neue Formen des gemeinschaftlichen Wohnens, Mehrgenerationenhäuser, communityorientierte Mobilitätskonzepte und Sharing Culture sind weitere zukunftsträchtige Konzepte. 

Welche langfristigen Pläne verfolgen Sie mit Pier F?

Einige Vorhaben wurden ausgerechnet in unserem Jubiläumsjahr – 10 Jahre AiD, 5 Jahre PIER F – durch Corona auf Eis gelegt. Und derzeit wissen wir noch nicht, wann es weitergeht. Was die Pandemie aber bewirkt hat, ist der Umgang mit digitalen Strukturen. Auch wir haben förmlich einen Digitalisierungsschub erfahren, weshalb wir einige Projekte neu denken: So werden die nächsten Ausgaben unseres Magazins primär digital und erst im zweiten Schritt als Printausgabe erscheinen.

(c) by PIER F/Architektur im Dialog

Unsere Klimatouren wollen wir durch anschauliche Videos bewerben, vielleicht sogar ein paar Touren komplett online anbieten.

Und für ein größeres analoges Projekt, mit dem wir schon mitten im Realisierungsprozess waren, prüfen wir gerade, ob wir es nicht als innovatives digitales Projekt umsetzen. Das hat unter anderem den Vorteil, dass uns strengste Brandschutz- und Bauauflagen, die im analogen Leben echte Hindernisse sein können, nicht mehr bremsen.

Wir wollen wieder mehr experimentieren, uns als Reallabor ausprobieren. Einige Partner stehen schon in den Startlöchern. 

Dennoch versuchen wir natürlich auch, unseren Vor-Corona-Stand wieder aufzunehmen und auszubauen: das Showroom-Konzept, die Seminare und Workshops zum nachhaltigen Bauen und Leben, unsere Nachhaltigkeits-Festivals mit jeweils mehr als 1000 Besuchern, unsere Kooperationen, unsere Netzwerkarbeit.

Denn das Digitale ist zwar schön, es ersetzt aber langfristig nicht das direkte Miteinander, den persönlichen Kontakt, die inspirierende Zusammenarbeit auch mit Studenten, die wir immer wieder im Rahmen von Uni-Kooperationen einbinden. 

Warum haben Sie sich bei der Ausstattung der Türen in Ihren Räumen für Sicherheitstechnik von ASSA ABLOY entschieden?

Das klang bereits an: Wir arbeiten im Netzwerk und schätzen die Zusammenarbeit mit nachhaltig engagierten Herstellern.

ASSA ABLOY nimmt seit 2008 am „Environmental Product Declaration“-Programm (EPD) teil und hat konzernweit mehr als 250 Produkt-Umweltdeklarationen erstellt, das heißt, die Umweltauswirkungen auf Basis einer detaillierten Lebenszyklusbewertung kartografiert und von einer unabhängigen, akkreditierten Drittpartei überprüfen lassen.

Man spürt das Engagement für langlebige Lösungen, für Nachhaltigkeit und Effizienz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das gefällt mir.

Der zweite Grund ist ein ganz praktischer: Das im PIER F installierte Türen- und Sicherheitssystem ist neben seinem ansprechenden Design wie gemacht für unsere Bürogemeinschaft aus Kreativen. Kinderleicht per App zu programmieren und zu handeln – und selbst gegen den unangenehmen Fall eines Schlüsselverlusts gefeit. Sollte das tatsächlich einmal passieren, wird der Schlüssel durch wenige Klicks deaktiviert. Das nimmt, wenn man so will, auch Druck von der Seele.